Der Griff nach den Kindern – Missbrauch an der Tagesordnung

25. April 2010
Predigttext: 2. Samuel 13,1-22 Text lesen


Hören Sie hier die Predigt des Gottesdienstes

 

 

 

Hilfen zum Thema:

8 Ratschläge – was ist für unsere Gemeinde wichtig:

  1. Keine Illusion – Gemeinde ist keine „missbrauchsfreie Zone“.
  2. Missbrauchte Menschen sind Opfer – keine Täter.
  3. Wir sensibilisieren unsere Kinder: Niemand hat das Recht, sich an ihrem Körper zu vergreifen – weder der/die eigene Onkel/Tante noch der/die fremde Onkel/Tante, noch der/die Freund/Freundin aus dem Hauskreis.
  4. Wenn Kinder Missbrauch andeuten, nehmen wir sie unbedingt ernst und tun ihre Schilderungen nicht vorschnell als Phantasien ab. Wir schreiben die Beobachtungen mit Datum und Uhrzeit auf. 
  5. Bei Auffälligkeiten/Verdacht, dass im Rahmen der Gemeindearbeit Missbrauch geschieht, wird sofort ein Mitglied der Gemeindeleitung eingeschaltet.
  6. Bei Missbrauch wird professionelle Hilfe eingeschaltet, weil wir nichts vertuschen wollen.
  7. Auch wenn ein Vorfall schlimm für die Gemeinde und ggf. ihren Ruf in der Öffentlichkeit ist, bringen wir die Wahrheit ans Licht.
  8. Wir thematisieren die Problematik in angemessener Weise von Zeit zu Zeit in der Kinder- und Jugendarbeit, den Hauskreisen, im Gottesdienst und im Spatzennest.


Intervention bei sexueller Gewalt

8 Ratschläge – wie schützen wir unsere Kinder:

Auszugsweise nennen wir hier einige Ratschläge aus dem Wort an Eltern und Erzieher des Kinderbuchs „Ich dachte du bist mein Freund“ von Dr. Dietmar Seehuber (Psychiater und Psychotherapeut, Klinik Hohe Mark, Oberursel):

  1. Entscheidend für die Entwicklung ist eine warmherzige Beziehung zu Ihrem Kind. Kinder brauchen ein Maximum an Geborgenheit und Sicherheit, um sich gesund zu entwickeln und Vertrauen in sich und ihre Umwelt setzen zu können.
  2. Angst ist ein schlechter Ratgeber. Auch Ihre Kinder sollen keine Angst bekommen, aber sie sollen wissen und einzuschätzen lernen, welche Situationen für sie bedrohlich werden können und was sie dann tun können.
  3. Vermitteln Sie frühzeitig klare Botschaften, die für das Kind verständlich und erlebbar sind. „Geh nicht mit Fremden mit!“ - „Du kannst mir erzählen, wenn jemand dir wehgetan hat!“ - „Komm zu mir, wenn dich etwas bedrückt.“ - „Wer etwas von dir will, was dir wehtut, ist nicht dein Freund.“ So können die einfachen Sätze lauten, die Ihrem Kind Sicherheit und Orientierung geben.
  4. Wichtig ist, dass Ihr Kind im alltäglichen Zusammensein erlebt, dass diese Sätze gelten. Respektieren Sie selbst unbedingt das Selbstbestimmungsrecht Ihres Kindes über seinen Körper. Schmusen Sie mit Ihrem Kind, wenn es das will, aber überrumpeln Sie es nicht. Geben Sie Ihrem Kind die Sicherheit, dass es in Ordnung ist, Nein zu sagen.
  5. Halten Sie zu Ihrem Kind, nehmen Sie es ernst und hören Sie ihm zu - ganz besonders, wenn es von „peinlichen“ oder schmerzhaften Erlebnissen erzählt oder Andeutungen macht, die Sie hellhörig machen. 
  6. Zeigen Sie ihm frühzeitig, wie es sich in schwierigen Situationen behaupten kann:
    - Was kann ihr Kind tun, wenn es in der Schule angegriffen wird?
    - Wie kann Ihr Kind Nein sagen, wenn es zu etwas gedrängt wird, was es nicht mitmachen möchte?
    - Wie kann es sich wehren, wenn es von Kindern oder Erwachsenen unterdrückt oder verletzt wird?
  7. Suchen Sie frühzeitig eine fachkundige Beratung auf, wenn Sie unsicher sind. 
  8. Das empfehlenswerte Bilderbuch bietet eine Hilfe, mit Kindern über die Gefahr des sexuellen Missbrauchs zu sprechen. Es vermittelt klare, leicht verständliche Botschaften:
    - Du musst nichts mit dir machen lassen, was dir nicht gefällt.
    - Wer dir wehtun will, ist nicht dein Freund.
    - Schlimme Geheimnisse muss man nicht geheim halten - man muss darüber reden.
    - Es ist gut, ein schlimmes Geheimnis weiterzuerzählen. 

(Der Abdruck erscheint mit ausdrückl. Genehmigung des Brunnenverlags)

Kurzinfo zu den 5 Stufen der Therapie
unter >>http://www.wildwasser.de/forum/viewtopic.php?t=14314&start=0&postdays=0&postorder=asc&highlight

  1. Schock und leugnen 
  2. Zorn und Ärger 
  3. Verhandeln 
  4. Depression 
  5. Akzeptieren

Einige Organisationen, die helfen können:

>> kontaktpunkt@eser21.de (Mo-Fr. von 17 – 18 Uhr: 0821/3439112)

>>www.weisses–kreuz.de (05609-8399 0)

>>www.wuestenstrom.de (07141-6889671)

>>www.klinik-hohe-mark.de (01805-46436275)

>>www.weisser-ring.de (für Rechtsfragen)

>>www.wildwasser-augsburg.de 

>>www.zartbitter.de (Material für Kinder und Jugendliche in klarer Umgangssprache und in vielen Fremdsprachen)


Literatur:

  • Dan B. Allender: das vewundete Herz, Hilfe für erwachsene Opfer sexueller Gewalt im Kindesalter, Brunnen (Gießen), 288 S., 17,95 €.
  • Teo van der Weele, Schluss mit dem Schweigen. Sexueller Missbrauch: Begleitung auf dem Weg zu inneren Heilung, Hänssler (Holzgerlingen), 380 S., 7,95 €.
  • Bilderbuch für Kinder ab 4 Jahre: Marie Wabbes: Ich dachte du bist mein Freund – Kinder vor sexuellem Missbrauch schützen, Brunnen (Gießen), 8,95 €.